Referenz
Lange Talbrücke und tiefer Einschnitt - Geotechnische und planerische Herausforderungen
Die Ortsumgehung Bad Kösen (B 87) ist mit ca. 13,25 km Länge, 5 Knotenpunkten und 7 Brückenbauwerken eines der großen Straßen-Neubauprojekte der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt. Nach ersten Baugrunderkundungen bereits 2003 und Nacherkundungen infolge Trassierungsanpassungen und für Anschlussbereiche, Bahnquerungen etc., wurde im Frühjahr 2021 mit dem Bau der Ortsumgehung begonnen. Wir dürfen mit unserer Niederlassung Naumburg bzw. unserer RAP Stra-Prüfstelle in Naumburg diese Maßnahme, nach der Erkundung, nun auch bei der Umsetzung geotechnisch als Hauptgutachter begleiten. Kernstücke des Projekts sind imposante Talbrücken über das Saaletal (Länge 1,2 km, Höhe bis 60 m) und der anschließende, bis 40 m tiefe Einschnitt „Wachthügel“. Hier wurden ca. 1.000.000 m³ Material (im Wesentlichen Kalkstein) ausgehoben und in einer nahegelegenen Kiesgrube zur Rekultivierung genutzt. Zahlreiche Dumper waren über Monate damit beschäftigt das gelöste Gestein abzutransportieren. Für den Einschnitt war eine Sicherung durch Übernetzung mit hochfestem Stahldrahtgeflecht und Verankerungslängen von 3,5 bis 5,5 m geplant. Nachdem sich im Zuge des Aushubs als Folge von Schichtwässern und ungünstigem Schichteinfallen im Kalkstein erste Rutschungen in relevanter Größenordnung ereigneten, wurde diese Planung geprüft und angepasst. In der Konsequenz haben wir die Pfahllängen angepasst (L = 1,5 m bis max. 15 m) und die Sicherung wurde auf der gesamten Ostböschung und als Erosionsschutz auch auf der Westböschung ausgeführt. Die hierzu im Zuge der Bauausführung mehrfach an stark variierende geologische und geometrische Gegebenheiten und Rutschungen anzupassenden Statiken sind ein gelungenes Beispiel für die reibungslose und schnelle Zusammenarbeit zwischen unseren Kompetenzcentern Planung - Statik und Felsbau und der Abteilung Geotechnik Naumburg. Auch die Zusammenarbeit zwischen allen Projektbeteiligten ist in diesem Projekt – trotz teils divergenter Sichtweisen auf auftretende Situationen – als stets äußerst konstruktiv und lösungsorientiert hervorzuheben. Die Sicherungsarbeiten konnten in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen werden. Dabei wurden allein auf der Ostböschung insgesamt ca. 5.200 Kleinverpresspfähle mit einer Gesamtlänge von ca. 79.600 lfm und knapp 36.000 m² Stahldrahtgeflecht zur statischen Sicherung installiert. Dazu kommen rund 600 Zusatzanker und Seilanker und 2.300 m Randseile.
Kompetenzcenter
- Geotechnik
Ort
Bad Kösen